Carl-Schmitt-Chronik (In Bearbeitung)

Eine Kurzbiographie über Carl Schmitt zu schreiben, ist aufgrund der vielen Bezüge, Doppeldeutigkeiten und umstrittenen Auslegungen zu Schmitts Haltung in der NS Zeit und im Nachkriegsdeutschlands, eine kaum zu leistende Arbeit. Die Diskussion über Leben und Werk sollte aber auf der Grundlage gesicherter Tatsachen stattfinden. Die Gesellschaft hat deshalb die Absicht, entscheidende Daten in Form einer Chronik zu publizieren. Die Veröffentlichung wird schrittweise erfolgen und  mit der Zeit wachsen. Das folgende Datengerüst ist also ausdrücklich als vorläufig und als Skizze zu betrachten.     

Louise und Johann Schmitt,1930er Jahre

Kindheit und Jugend

Am 11. Juli 1888 wurde Carl Schmitt in Plettenberg/Westfalen geboren. Der Vater Johann Schmitt (1853–1945) stammte aus Bausendorf im Tal der Alf, einem linken Seitenfluss der Mosel. Er war zunächst Postangestellter, ging dann in den Eisenbahndienst und kam 1876 nach Plettenberg. Dort gab er seine Beamtenstellung auf und wurde kaufmännischer Angestellter in der Firma Graewe & Kaiser.

Die Schüler der Schlafstube II A vor ihrem Konvikt in Attendorn im Winter 1902/3. In der Mitte Carl Schmitt

Nach 50 Jahren trat er 1928 in den Ruhestand. Die Mutter Louise geb. Steinlein (1863 –1943) stammte aus Trier; ihre Vorfahren kamen aus der Eifel. Carl Schmitt hatte drei Geschwister, die ältere Schwester Auguste (1891 – 1992), den Bruder Joseph (1893 – 1970) und die jüngere Schwester Anna Margarethe (1902 – 1954). Aus der ersten Ehe des Vaters hatte er zwei Halbgeschwister. Die Mutter Louise Schmitt war in einem französischen Internat erzogen worden, sie brachte ihren Kindern Französisch und Klavierspiel bei.

Ab Ostern 1894 besuchte Carl Schmitt die katholische Volksschule in Plettenberg. Nach sechs Jahren wechselte er auf Empfehlung des Pfarrers Fischer, der dem Volkschüler schon in Latein unterrichtet hatte, in die Quarta des staatlichen Gymnasiums der kurkölnischen Nachbarstadt Attendorn, ca. 15 km von Plettenberg entfernt. Mit der Bahn war die Strecke umständlich und fast doppelt so lang, sodass der junge Schmitt an den Wochenenden und zu den Ferien den Weg oft zu Fuß machte.

Student um 1910

Studienzeit

Nach dem Abitur 1907 schwankte Schmitt zwischen einem Philologie- und einem Jurastudium, entschied sich schließlich für letzteres und begann im Sommersemester 1907 dieses Studium an der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität, wechselte 1908 nach München und 1908/09 nach Straßburg, wo er 1910 das erste Staatsexamen ablegte und im selben Jahr auch mit der Arbeit Über Schuld und Schuldarten promoviert wurde. Das Referendariat absolvierte er am Oberlandesgericht Düsseldorf; im Februar 1915 legte er das Assessorexamen ab. 1912 erschien Gesetz und Urteil. Die Habilitationsschrift Der Wert des Staates und die Bedeutung des Einzelnen erschien 1914. Daneben publizierte er kleinere Artikel für die Kulturzeitschrift Die Rheinlande und Besprechungen von Mauthners Wörterbuch der Philosophie und von Walther Rathenaus Kritik der Zeit, mit dem er einen Briefwechsel hatte.

Schmitt führte lebenslang Tagebuch in Gabelsberger Kurzschriftschrift. Die Überlieferung setzt 1912 ein und dokumentiert ein chaotisches Leben. In dieser Zeit lernte Schmitt den Düsseldorfer Notar und späteren preußischen Justizminister Hugo am Zehnhoff kennen und befreundet sich mit dem Dichter Theodor Däubler; beide sollten ihm prägende Figuren werden. Die Verbindung mit der Tänzerin Pauline Marie Dorotic, die sich den Künstlernamen „Carita“ beilegte und von Schmitt „Cari“ genannt wurde, führte 1915 zur Ehe. Erst nach Jahren erkannte Schmitt, dass die Frau ihn mit der Behauptung adeliger Abkunft getäuscht hatte; dieser Betrug wurde ihm zum lang anhaltenden Trauma. Der Studienfreund Fritz Eisler, mit dem er während der Assessor-Zeit die satirischen Texte der Schattenrisse (1913) verfasst hatte, fiel als Soldat am 12.9.1914. Zu dessen Bruder Georg entwickelte sich eine enge Freundschaft.

Privatdozent 1917

Militärdienst und akademische Karriere

Ab Februar 1915 ist Carl Schmitt Kriegsfreiwilliger beim Ersatz-Batallion des bayerischen Infanterie-Leibregiments, ab März 1915 beim Generalkommando des I. bayerischen Armee-Korps München. Dort war er Leiter des Referats P6 mit Zuständigkeit für Überwachung der Friedensbewegung, Beschlagnahme von Druckschriften u.a. Am 1. April 1919 erfolgte die Versetzung zur Stadtkommandantur, am 1. Juli 1919 die Entlassung aus dem Heeresdienst.

Förderung erfuhr Schmitt durch den Strafrechtler Fritz van Calker, vor allem bei der Habilitation in Straßburg im Jahr 1916. Im selben Jahr veröffentlichte Schmitt die Studie Theodor Däublers „Nordlicht“; Drei Studien über die Elemente, den Geist und die Aktualität des Werkes. Schmitt wohnte in dieser Zeit in München, nahm aber zugleich eine Dozentur in Straßburg wahr. Mit Kriegsende war das abrupt vorbei; Schmitt musste sich in München umhabilitieren. Im WS 1919/1920 war er hauptamtlicher Dozent an der Münchner Handelshochschule, gefördert von deren Rektor Moritz Julius Bonn. Eine seiner Vorlesung behandelte die Geschichte der politischen Ideen. Schmitt gehörte auch zu den Teilnehmern des 14tägigen Dozentenkolloquiums von Max Weber.

Carl Schmitt, November 1926

Erste Werke, die Aufmerksamkeit erregten, waren Politische Romantik (1919) und Die Diktatur (1921). In der Monographie Die Diktatur. Von den Anfängen des modernen Souveränitätsgedankens bis zum proletarischen Klassenkampf etablierte er die Unterscheidung zwischen der ‚kommissarischen‘ Diktatur, die mit vorübergehenden Maßnahmebefugnissen die Wiederherstellung der alten Ordnung zu erreichen trachtet, und der ‚souveränen‘ Diktatur, die eine verfassunggebende Gewalt unter Berufung auf Gott, die Nation oder das Volk, aber ohne Bindung an eine Verfassungsordnung bezeichnet.
In dem Buch Politische Romantik kritisierte er das Unernste, Nur-Ästhetische der bürgerlichen Romantiker, die sich aufgrund ihrer seelischen Erschütterungen nicht entscheiden können und deshalb opportunistisch reagieren; das zeigte Schmitt bevorzugt an dem Staatstheoretiker Adam Müller und bezeichnet diese Haltung als subjektiven Occasionalismus.

In München machte Schmitt Bekanntschaft mit dem Schriftsteller und Zeitschriftenherausgeber Franz Blei, in dessen Zeitschrift „Summa“ (4 Bände, 1917-1918) er drei wichtige Beiträge veröffentlichte, darunter die Satire auf Tagebuchschreiber Die Buribunken. Zum weiteren Bekanntenkreis gehörten unter anderen die Schriftstellerin Alice Berend, der Maler Richard Seewald, der Künstler Albert Paris Gütersloh, der Verleger Jakob Hegner und der Kierkegaard-Herausgeber Theodor Haecker.

Zum Wintersemester 1920/21 wurde Schmitt auf ein Ordinariat an der Universität Greifswald berufen, ab dem Sommersemester 1922 war er in Bonn Nachfolger von Rudolf Smend als Professor für öffentliches Recht. Zusammen mit seinem Kollegen Erich Kaufmann leitete er das „Seminar für wissenschaftliche Politik“, begriff also sein Fach auch dezidiert politisch.

Carl Schmitt mit Duska Todorovic

Zu dieser Zeit war seine Ehe längst zerrüttet. Schmitt hatte mehrere Geliebte, darunter die Irin Kathleen Murray, deren Dissertation Taine und die englische Romantik er wesentlich mit verantwortet, und bei deren Doktorvater Ernst Robert Curtius er sich für sie einsetzte. 1923 lernte Schmitt die Studentin Duska Todorovic, die zur serbischen Minderheit in Kroatien zählte, kennen und heiratete sie 1926, nachdem die erste Ehe 1924 zivilrechtlich geschieden wurde; seine Versuche, auch eine kirchenrechtliche Annullierung zu erreichen, scheiterten in der ersten und zweiten Instanz.

Das Foto entstand anlässlich des Besuches der Eltern im Juni 1927, links stehend Schmitts Schwester Anna. Es zeigt die Gartenseite der Villa in Friesdorf, Bonner Allee 211, heute ist sie ein Teil der Friedrich-Ebert-Stiftung.

Die Bonner Zeit – Die Standardwerke

Im Jahr seines Wechsels nach Bonn publizierte Schmitt eine seiner einflussreichsten Schriften, Politische Theologie, deren Eingangssatz „Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand entscheidet“ zu einem geflügelten Wort geworden ist. Hier formulierte er die Grundlagen einer „dezisionistischen“ Rechtstheorie, wonach „die souveräne Entscheidung normativ betrachtet aus einem Nichts geboren ist“. In der Debatte um das Verhältnis von Katholizismus und Moderne nahm Schmitt Stellung in seinem Essay Römischer Katholizismus und politische Form (1923), in dem er die historische Kontinuität der katholischen Kirche und deren juristische Form eines personalen Rationalismus betonte, der gegen das unpersönliche ökonomische Denken der Moderne gerichtet ist.


Mit diesen Schriften und der dann folgenden über Die geistesgeschichtliche Lage des heutigen Parlamentarismus (1923), in der er den liberalen Parlamentarismus-Begriff mit dem Glauben an die Wahrheit und Richtigkeit durch öffentliche Diskussion im Parlament kritisierte, wurde Schmitt in der Öffentlichkeit mehr und mehr bekannt. Im linksrheinischen Bonn erlebte er die Folgen des Versailler Vertrags durch die Kontrollen der französischen Besatzungsmacht nach dem sog. Ruhrkampf. Die Kritik an dem Vertrag und dem Völkerbund in Genf formulierte er erstmals in seiner Schrift Die Kernfrage des Völkerbunds und in dem Vortrag Die Rheinlande als Objekt internationaler Politik, den er 1925 nach Kontakten zur Zentrumspartei auf deren „Jahrtausendfeier“ in Köln hielt.

Portrait 1920er Jahre

Schmitt war an der Universität ein Star, dessen Vorlesungen Studenten, aber auch manche Kollegen und Bonner Bürger besuchten. In seinem Seminar versammelte sich eine Schülerschar, aus der bedeutende Juristen hervorgegangen sind, wie Ernst Forsthoff, Werner Weber, Ernst Rudolf Huber, Werner Becker, Ernst Friesenhahn, Otto Kirchheimer und später Franz Neumann; enge Kontakte hatte Schmitt zu dem Theologen Erik Peterson, der Trauzeuge bei seiner zweiten Hochzeit war, seinem lebenslangen Duzfreund Heinrich Oberheid und dem im Umgang schwierigen Publizisten Waldemar Gurian, den er verantwortlich machte für die zerbrochene Freundschaft mit Hugo Ball. Eine der wichtigsten Folgen der Seminar-Diskussionen war die Schrift Der Begriff des Politischen, deren erste Auflage 1927 erschien. Bis ins hohe Alter betonte Schmitt, dass die Unterscheidung von Freund und Feind als Kriterium des Politischen dort seinen Ursprung hatte.

Verlag von Duncker und Humblot, München-Leipzig, 1928

Als Vortragender war er ebenso gefragt wie als Gutachter. Er reiste viel, vor allem nach Frankreich, wo er in dem Kreis um Jacques Maritain enge Freunde fand, aber auch Kontakte zu juristischen Kollegen suchte. Im Sommer 1925 besuchte er mit seiner Frau deren kroatische Heimat, die er antikisch mit Illyrien (so der Titel seines Reiseberichts 1925) bezeichnete. Gegen Ende seiner Bonner Zeit verfasste er sein einziges systematisches Werk, die Verfassungslehre (1928). Da für ihn die Epoche der Staatlichkeit zu Ende ging, war eine ‚Staatslehre‘ obsolet, deshalb schrieb er anhand der Weimarer Verfassung die erste systematische Theorie des modernen Verfassungsstaates.

Die Berliner Zeit – Am Zentrum der Macht

Schmitt strebte nach dem Machtzentrum Berlin und nahm nach langwierigen Verhandlungen einen Ruf an die dortige Handelshochschule für das Sommersemester 1928 an. Der Kritiker der indirekten Gewalten wollte sein theoretisches Werk durch praktisch-politisches Wirken ergänzen. Während er in Bonn Politikern noch mit Reserven begegnet war, kam es in Berlin bald zu Kontakten auf der politischen Ebene von Staatssekretären und höheren Ministerialen, etwa im Innen- und besonders im Finanzministerium mit dem dortigen Staatssekretär und späteren preußischen Finanzminister Johannes Popitz.

Dieser wurde bald ein enger Freund und sollte Schmitt 1933 zu seinem NS-Engagement bewegen. Unter den Juristen stand Rudolf Smend ihm in dieser Zeit am nächsten, hinzu kamen die Kollegen Bilfinger in Halle und Jacobi in Leipzig; an der Handelshochschule hatte er näheren Umgang mit seinen Kollegen Werner Sombart, Moritz Julis Bonn, Götz Briefs und Herbert Dorn; er traf den jungen Leibholz und las dessen Habilschrift über das Wesen der Repräsentation in den Fahnen.

Am Nordrand des Tiergarten fand Schmitt eine Wohnung mit Hilfe seiner alten Münchner Freundin, der Schriftstellerin Alice Berend, eine Wohnung fand, deren Schwester Charlotte mit ihrem Mann Lovis Corinth Vormieter waren. In dieser Zeit lag seine Frau Duschka in San Remo im Krankenhaus, wo sie ihre Tuberkulose auszuheilen versuchte. Da sich ihr Zustand im Frühjahr 1929 verschlimmerte, reiste Schmitt dorthin und rechnet mit dem Tode seiner Frau. Sie wurde dann im Sommer in St. Gallen mehrfach operiert und geheilt.

An der Handelshochschule hatte Schmitt mit seinen Vorlesungen wie in Bonn großen Erfolg, sodass Studenten von der benachbarten Friedrich-Wilhelms-Universität in Scharen zu ihm kamen. Am 18. Januar 1930 hielt er zur Reichsgründungsfeier in der Aula der Handelshochschule seine viel beachtete Rede über Hugo Preuß, dem Vater der Weimarer Verfassung. In dieser Zeit besuchte er regelmäßig Vorträge in der Deutschen Hochschule für Politik, hielt dort selbst welche und wurde zur Ausbildung des diplomatischen Nachwuchses im Auswärtigen Amt herangezogen. In den elitären politischen Zirkeln der Hauptstadt war er bald als Teilnehmer und Diskutant gefragt, das galt besonders für die ‚Deutsche Gesellschaft 1914‘.

In der durch wachsende Instabilität geprägten politischen Lage in den späten 20er Jahren stellte sich für Schmitt die Frage nach der Staatsautorität. Jetzt wurde der von Benjamin Constant entlehnte Begriff des ‚pouvoir neutre‘ für ihn zentral. Angesichts des wachsenden Einflusses von Interessentengruppen und antidemokratischer Parteien auf der Linken und der Rechten galt es, die Bedingungen der Möglichkeit staatlichen Handels zu klären. Schmitts Antwort bestand in der Schrift Der Hüter der Verfassung, eine Weiterführung seiner Verfassungslehre und eine Programmschrift zur Einführung einer Präsidialverfassung, Die staatliche Handlungsfähigkeit sollte durch die plebiszitäre Stärkung der Stellung des Reichspräsidenten als eines ‚pouvoir neutre‘ zurückgewonnen werden.

Rede zur Reichsgründungsfeier am 18. Januar 1930 in der Handelshochschule Berlin

Das Ende der Republik

Zu den alten Freunden Franz Blei, Georg Eisler und Erik Peterson kamen jetzt Ernst Jünger und dessen Umfeld mit Ernst Niekisch und Veit Rosskopf. Schmitt hatte Kontakte zu Publizisten wie Paul Adams mit der Zeitschrift Germania, Friedrich Vorwerk mit dem Ring, Wilhelm Stapel mit dem Deutschen Volkstum und Prinz Rohan mit der Europäischen Revue, dagegen gab er die Zusammenarbeit mit dem katholischen Hochland auf. Für die Atmosphäre der Zeit war typisch, dass Schmitt auch an einer Sitzung der Arbplan (Arbeitsgemeinschaft zum Studium der Planwirtschaft in der Sowjetunion) teilnahm, in der neben Ernst Jünger und Niekisch von linker Seite Karl August Wittfogel und Georg Lukacz anwesend waren.

Durch Vermittlung Bleis konnte er die Fahnen von Musils Mann ohne Eigenschaften lesen, er hielt Rundfunkvorträge, sah Stummfilme, den Klassiker zum Prozess der Jeanne d’Arc von Carl Theodor Dreyer mindestens zehnmal. Im August 1931 wurde Schmitts Tochter Anima geboren.
Ab 1930 regierte Reichskanzler Brüning ohne parlamentarische Mehrheit mit Hilfe des Notverordnungsrechts nach § 48 der Weimarer Reichsverfassung. Versuche Carl Schmitts, in der konkreten Politik mitzuwirken, durch Kontakte z. B. zu Brüning, den er aus der Bonner Zeit kannte, scheiterten. Das änderte sich mit der Kanzlerschaft Papens. Als nach dem Preußenschlag vom 20. Juli 1932 die abgesetzte Regierung des Landes Preußen beim Staatsgerichtshof in Leipzig Klage erhob, wurde Schmitt von der Reichsregierung als einer ihrer Prozessvertreter beauftragt. Auch hatte er inzwischen enge Mitarbeiter von Reichswehrminister Schleicher kennengelernt, wie Erich Marcks und Eugen Ott.
In dieser Krisenzeit veröffentlichte Schmitt die Schrift Legalität und Legitimität mit ihrer Kernthese, dass nach dem herrschenden juristischen Positivismus die Substanz der Verfassung geändert werden könne, ohne dass politisch nach Freund und Feind gefragt werde, mit der Folge, dass auch verfassungsfeindlichen Parteien der Zugang zur Macht nicht verwehrt werden könne. Der liberale Gesetzgebungsstaat setze bei Parteien eine ‚legale Gesinnung‘ voraus, so dass Gegner eine gleiche Chance auf politische Machtgewinnung bekämen. Gelänge es einer verfassungsfeindlichen Partei, legal an die Macht zu kommen, könne sie die Tür der Legalität hinter sich schließen. Das wäre dann eine ‚legale Revolution‘. Ein Ausweg aus der Unfähigkeit des Weimarer Parlamentarismus, stabile Regierungen zu bilden, war für Schmitt die Etablierung eines Präsidialsystems mit einem vom Volk gewählten Reichspräsidenten, der den unter dem Druck von Interessentengruppen quantitativ total gewordenen pluralistischen Parteienstaat ablöst und einen qualitativ totalen Staat schafft, der die neuen technischen Machtpositionen ergreift und Film und Rundfunk monopolisiert – später wird Schmitt präzisieren, dass nicht Staaten, sondern nur Parteien Träger der Totalität sein können.

Nach der Ernennung Schleichers zum Reichskanzler Anfang Dezember 1932 war Schmitt durch Ott und Marcks in aktuelle Staatsnotstandspläne zur Verhinderung des Machtantritts Hitlers eingebunden, die nach dessen Ernennung zum Reichskanzler Ende Januar 1933 obsolet wurden. Inzwischen hatte Schmitt einen Ruf an die Universität Köln zum Sommersemester 1933 angenommen und sich damit von der Reichshauptstadt distanziert.

Neunzigster Geburtstag im Gespräch mit Ernst Jünger

Plettenberg

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